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Interaktives Fernsehen – Social TV

posted by Caroline Gruber 29. April 2018

Die Interaktion der Zuseher oder Konsumenten mit Fernseher und dem laufenden Programm ist in aller Mund und wird vor allem für die TV – Sender ein wichtiges und schwieriges Geschäftsmodell. Das Nutzungsverhalten hat sich aufgrund der Angebote, Sendungen nachzuschauen beziehungsweise in Mediatheken Filme „on demand“ zu sehen, deutlich verändert. Somit muss vermehrt auf Shows und Livesendungen, in denen der Zuschauer vermittelt bekommt, ein Teil davon zu sein, gesetzt werden (vgl. Salm, 2004).

Was ist interaktives Fernsehen?

Der Begriff beschreibt jede Form einer Rückkommunikation und ein Eingreifen des Zusehenden in ein Programm. Mittels des digitalen Fernsehens sind dieser Interaktion keine Grenzen mehr gesetzt. Es beginnt grundsätzlich beim Programmzappen, Sprache ändern, Untertitelanzeige und führt bis hin zu echter live Interaktion über Votings, Apps als Second Screen oder Augmented Reality. Die Ideen dahinter sind jedoch alles andere als neu. Schon seit Jahrzehnten versuchen Produzenten dem Zuseher den Reiz zu bieten, Teil der Sendung, der Show oder sogar der Handlung eines Films zu sein und auch den Ausgang oder die Handlung beeinflussen zu können. In den 60 und 70 Jahren hat das begonnen mit Kindersendungen in denen die Kinder zum Beispiel aufgefordert waren am Bildschirm fehlende Gegenstände dazu zu malen. In Gewinnshows wurden nicht Verlosungen per Telefon gemacht, sondern man konnte Computerspiele live in der Sendung steuern und vieles mehr. Mit der Digitalisierung kamen dann endlose Möglichkeiten hinzu (vgl. Broszeit, 2006, S.18-23).

Digitales Fernsehen wird zum Social Fernsehen

Heutzutage ist wahrscheinlich das wichtigste Medium, für die erweiterte Interaktion mit dem Fernsehen, das Internet. In vielen Shows wird zum Beispiel währenddessen geworben, dass auf zugehörigen Webplattformen Zusatzinformationen, zusätzliche Videomaterial oder Votings stattfinden. Dadurch wird versucht lange Werbepausen zu überbrücken und auch eine Bindung zum Zusehen aufzubauen (vgl. tobesocial.de, 2013).

HandyQuelle: pixabay.com, 2018

Social Media Plattformen machen das Fernsehen endgültig zum Gemeinschaftserlebnis. Seit längerem schon ist in den meisten Sendungen, sei es ein Polittalk oder Live-Sendungen im Vorabendprogramm, eine Interaktion mittels Post oder Tweets auf den entsprechenden Plattformen möglich. Somit wird das Erlebnis, das Zuseher und auch Produzenten jeweils allein hatten, geteilt und das Fernsehen verwandelt sich in ein Social TV. Durch betiteln von Kommentaren, Fragen oder auch Bildern mit den sendungszugehörigen Hashtags kann direkt kommuniziert werden. Der Zuseher hat das Erlebnis, selbst seine Posts im Fernsehen zu sehen oder Antworten auf seine Fragen direkt zu bekommen. Es werden auch beispielsweise in Sportübertragungen mit viel Pausen, wie es bei einem Footballspiel der Fall ist, ein Gemeinschaftsgefühl geschaffen, zwischen verschiedenen Zuseher untereinander und auch den Moderatoren. Es werden Postings aus den Wohnzimmern gezeigt und auch Fragen die auf der Couch entstehen, beantwortet (vgl. meedia.de, 2015).

Allein das Thema Hashtags und die Platzierung der angehängten Posts oder Tweets in einer Show oder Sendung hat einen eigenen Markt eröffnet. Manche Unternehmen haben sich zum Beispiel darauf spezialisiert, Kommentare die mit dem richtigen Hashtag verfasst wurden, so schnell wie möglich zu der dazu passenden Sendung zu transportieren um unmittelbar dem Zuseher ein Reaktion darauf bieten zu können (vgl. Carl Group, 2018).

Die neuesten Spielereien

Um das Erlebnis für den Zuseher noch intensiver zu machen, lässt sich die Industrie immer mehr einfallen. Eine Fernbedienung soll nicht nur mehr zum Zappen verwendet werden können, sondern als eventuelles Abstimmmodul dienen oder auch die Möglichkeit bieten direkt in Werbeunterbrechungen Produkte zu kaufen, Tickets zu ergattern oder Wetten abzuschließen. So wird eine hohe Zuseher- und gleichzeitig neuerdings auch Konsumentenbindung erreicht (vgl. Frommann, 2007).

Der Streamingdienst Netflix geht einen Schritt weiter und möchte dem Zuseher die Möglichkeit bieten die Handlungen in Serien und Filmen per Knopfdruck bestimmen zu können. Hierzu müssen natürlich die verschiedenen Plots gedreht werden. Einige Startups beschäftigen sich mit Technologien wie die Sendung automatisch, über für den Menschen nicht hörbare Töne, mit dem Smartphone kommuniziert und somit dem Zuseher spontan die richtigen Informationen darbietet (vgl. Tusch, 2017). Auch die Gruppierung der Wissensvermittlung, wie zum Beispiel in der Sendung Galileo der ProSieben Gruppe, versucht Sendungen interaktiver zu gestalten. Apps als Second Screen oder viel mehr als Augmented Reality werden schon verwendet um Videos oder Animation noch näher an den Zuseher zu bringen. Gewissermaßen Fernsehen zum Anfassen (vgl. Hauberg, 2018).

Alles in allem wird wie seit Jahrzehnten versucht den Menschen solange wie möglich an den Fernseher zu fesseln, durch die Möglichkeiten der Interaktion mit dem laufenden Programm. Diese Möglichkeiten sind seit Einführung des digitalen Fernsehens, seit der Erfindung von Smartphones und Social Media Plattformen mannigfaltig geworden. Einerseits tut dies dem Fernseherlebnis ein Gutes, andererseits steht dahinter natürlich immer der Gedanke den Fernsehkonsumenten auch zu einem Kunden zu machen.


Weiterführende Links:

TV-Inhalte – am Zuschauer vorbei?

Smart TVs und die Werbebranche


Quellenangaben:

Broszeit. (2006). Nutzerakzeptanz von interaktivem Fernsehen am Beispiel IPTV. Diplomica Verlag (29.04.2018).

Carl Group. (2018). sendONSCREEN® unter https://send.on-screen.info/?locale=de (29.04.2018).

Frommann. (2007). Interaktives Fernsehen: Sofameilen fürs Werbunggucken. Online unter http://www.spiegel.de/netzwelt/tech/interaktives-fernsehen-sofameilen-fuers-werbunggucken-a-463564.html (29.04.2018).

Hauberg. (2018). Augmented Reality: Galileo testet interaktives Fernsehen. Online unter https://www.prisma.de/news/Augmented-Reality-Galileo-testet-interaktives-Fernsehen,15826390 (29.04.2018).

meedia.de. (2015). Social TV: Twitter & Co. machen Fernsehen (wieder) zum Gemeinschaftserlebnis. Online unter http://meedia.de/2015/10/05/social-tv-twitter-co-machen-fernsehen-wieder-zum-gemeinschaftserlebnis/ (29.04.2018).

pixabay.com. (2018). Iphone, Iphone 6, Tv, Social-Tv. Online unter /de/iphone-iphone-6-tv-social-tv-472197/ (29.04.2018).

Salm. (2004). Zaubermaschine interaktives Fernsehen? TV-Zukunft zwischen Blütenträumen und Businessmodellen. Springer Gabler (29.04.2018).

tobesocial.de. (2013). Social TV – interaktives Fernsehen am Beispiel von The Voice of Germany. Online unter http://tobesocial.de/blog/social-tv-interaktiv-fernsehen-voice-of-germany-studie (29.04.2018).

Tusch. (2017). Wenn der Zuschauer über das Filmende entscheidet: Wo interaktives Fernsehen richtig Sinn ergibt. Online unter http://meedia.de/2017/03/10/wenn-der-zuschauer-ueber-das-filmende-entscheidet-wo-interaktives-fernsehen-richtig-sinn-ergibt/ (29.04.2018).

 

Bildrechte:

Beitragsbild: Pixabay, Online unter: https://pixabay.com/de/architektur-ausgang-ausweg-gang-3357635/ 

 

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