Claudia MoserTV/Fernsehen

Fernsehen in der Zukunft – ist das das Ende des klassischen Fernsehens?

posted by Claudia Moser 27. November 2017
altes Fernsehmodell

Nach Hause kommen und eine Sendung mittendrin weiterschauen, wollen wir das überhaupt noch? Der Markt für Web-TV und Video-on-Demand boomt und wir bestimmen unser TV Programm selbst – unabhängig von Zeit und Ort.

 

Aber wie kam es zu diesem Wandel?

Schon seit vielen Jahren ist der Fernseher das beliebteste Medium im offline Bereich. In Österreich besitzen aktuell 98 Prozent aller Haushalte einen Fernseher (vgl. ORF o.J.a , zitiert nach Statista). Durchschnittlich verbrachten wir im Jahr 2016 178 Minuten am Tag vor diesen Geräten. Noch vor 10 Jahren waren es 157 Minuten am Tag. Die Minuten nehmen zu, aber schaut wirklich jeder von uns lineares Fernsehen. Nein, so ist es nicht, diese Zahl ist am abnehmen (vgl. ORF o.J.b., zitiert nach Statista) .

Durchschnittliche FernsehdauerQuelle:  ORF o.J.b., zitiert nach Statista.

Man sieht eindeutig einen Trend zur Symbiose von Internet und Fernsehen. 14 Prozent aller Österreicherinnen und Österreicher schauen über sogenannte Web-TVs und Video-on-Demand Plattformen fern und 12 Prozent planten bereits 2016 ihre Kabel- und Satelliten-TVs zu kündigen (vgl. Nielsen 2016). Für diese Entwicklung gibt unterschiedliche Gründe.

Die Qualität des klassischen Fernsehangebotes sinkt. Die Verantwortlichen wollen mit einfachen Soaps und Sendungen nur mehr die Quote erhöhen und vergessen dabei, dass die Informationsbeschaffung sehr wichtig ist. Denn 84 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher nutzen das Fernsehen als Nachrichtenquelle (vgl. Uni Salzburg o.J., zitiert nach Statista). Aktuell gibt es auf ORF zum Beispiel noch die Nachrichten um 19.30 Uhr, aber sogar diese kann man mittlerweile jederzeit im Nachhinein streamen.

Das führt mich bereits zum zweiten Punkt: wir wollen fernsehen wann wir wollen und wo wir wollen. Durch die unterschiedlichen Streaming Dienste können wir das bereits auf all unseren mobilen Endgeräten, sogar geräteübergreifend. Wir fangen auf der Heimfahrt im Zug an und schauen nahtlos auf unserem Fernseher zu Hause weiter. Bei manchen Anbietern wie Netflix und Amazon kann man seine Lieblingsserien und Filme zuhause oder wo auch immer man einen guten Internetempfang hat downloaden und unterwegs offline an- und weiterschauen.

Hinzu kommt, dass auch jedes Familienmitglied unterschiedliche Genres bevorzugt. Durch die hohe Anzahl an Empfangsgeräten im Haushalt (Fernseher, PCs, Laptops, Tablets, Smartphones) und einer entsprechenden Internet-Flatrate ist das kein Problem mehr.

Ein weiterer Grund ist die niedrige Akzeptanz der Werbeblöcke. Wer will noch 5 bis 15 Minuten warten und herumzappen bis das TV-Programm weitergeht. Im schlimmsten Fall läuft auf den anderen Sendern auch Werbung. Bei einigen Video-On-Demand oder Web-TV Plattformen gibt es oft keine Werbung mehr bzw. fällt diese kürzer aus. Nicht nur, dass die Menschen weniger linear fernschauen und die Einschaltquoten sinken, parallel dazu erhöhen die Unternehmen die Werbeausgaben für TV. Im Jahr 2016 wurden in Österreich knapp 1.090 Millionen Euro für Fernsehwerbung ausgegeben. Im Vorjahr waren es 8,9 Prozent weniger (vgl. FOCUS Marketing Research o.J., zitiert nach Statista). Solange dieser Trend anhält, brauchen sich über Werbung finanzierte Sender keine Sorgen machen. Wenn doch, droht das Geschäftsmodell Stück für Stück wegzubrechen. Um am Markt zu bleiben müssen sich die Fernsehsender Strategien überlegen, um überleben zu können.

 

Doch wie können die Medienunternehmen dem „Überlebenskampf“ standhalten?

Zuerst muss überlegt werden welche Programme sie anbieten bzw. welche Programme zu welcher Uhrzeit gewünscht sind. Im Jahr 2016 lag ORF 2 mit 21,2 Prozent auf Platz 1, gefolgt von ORF Eins (11,7 Prozent), RTL (4,7 Prozent) und knapp dahinter ProSieben (4,6 Prozent) (vgl. AGTT o.J., zitiert nach Statista).

Marktanteile der Fernsehsender in ÖsterreichQuelle: AGTT o.J., zitiert nach Statista.

Außergewöhnliche Erlebnisse wie das Nutzen von 3D, Augmented oder Virtual Reality Effekten lockt wieder mehr Zuschauer an. Erst vor kurzem hat Galileo auf ProSieben eine Woche lang die Sendungen mit Hilfe von AR ausgestrahlt. Man hatte die Option mit der zur Verfügung gestellten App, die Beiträge über den Fernseher auf dem Smartphone in AR zu betrachten. Durch den Blick übers Smartphone erschienen 3D-Modelle, Infotafeln, interaktive Grafiken im eigenen Wohnzimmer.

Auch Werbung die Spaß macht oder direkt auf uns zugeschnitten ist, kann die Einschaltquoten wieder erhöhen bzw. die Zahl konstant halten. Mit Hilfe von Smart TVs ist dies bereits möglich. Aber auch Second Screen spielt hier eine gewisse Rolle. So surfen 74 Prozent aller Österreicherinnen und Österreicher während dem Fernsehen im Internet. 36 Prozent nutzen dafür ihr Smartphone (vgl. Mindshare o.J.). Ein perfekter Zeitpunkt die richtige Werbung mobil auszustrahlen.

Eine weitere Möglichkeit ist die Einführung einer Videobibliothek. Wer kennt das nicht, Sendung verpasst und was nun? ProSieben und viele andere Sender bieten diverse Serien und Shows in der eigenen online Videobibliothek an, um diese einfach jederzeit und überall nachschauen zu können.

Einen Schritt weiter sind viele US-TV-Konzerne. Sie beteiligten sich an unterschiedlichen Streaming Diensten. Gemeinsam wurden neue online Angebote entwickelt. Ein Beispiel einer erfolgreichen Digitalisierung zeigt sich am Beispiel Netflix: Weltweit gesehen ist Netflix der größte Anbieter von Video-on-Demand Diensten (37 Prozent), gefolgt von Amazon (20 Prozent).  Mehr Informationen rund um Streaming Dienste lesen Sie im Beitrag “Video Subscription – ein Durchstarter Markt”.

Zusammenfassend müssen sich die klassischen Fernsehanbieter noch keine Sorgen über deren Existenz machen müssen, aber dennoch sollten sie auf den Zug der Zeit aufspringen und nach neuen Methoden suchen . Denn die gesamte Bewegtbildindustrie lebt von der Wandlung und Verschmelzung von Inhalten, Technologien und Distribution. Content und Data sind die Treiber der Entwicklung und werden die Nutzererfahrungen transformieren. Dennoch spielen aktuell die Gewohnheit und wie oben bereits erwähnt, die Informationsbeschaffung eine wichtige Rolle, warum wir noch gerne klassisch fernsehen.


Weiterführende Links:

Beitrag TV Inhalte – am Zuschauer vorbei?

gfu-Zahlen zur Mediennutzung: Das Fernsehen ist tot, es lebe der Fernseher

Bundestagspräsident rügt Qualitätsverfall im Fernsehen

NewTV Summit


Quellenangaben:

AGTT (o.J.): Marktanteile der Fernsehsender in Österreich im November 2017, zitiert nach de.statista.com. Online unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/303727/umfrage/marktanteile-der-fernsehsender-in-oesterreich-monatlich/ (14.11.2017).

FOCUS Marketing Research (o.J.): Bruttoausgaben für TV-Werbung in Österreich von 2011 bis 2016 (in Millionen Euro), zitiert nach de.statista.com. Online unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/314001/umfrage/bruttowerbeausgaben-tv-in-oesterreich/ (14.11.2017).

Galileo (2017): So schaust du Galileo in Augmented Reality. Online unter https://ch.galileo.tv/video/trailer-zum-ausprobieren-so-schaust-du-galileo-in-ar/ (14.11.2017).

Mindshare (o.J.): Parallelnutzung von internetfähigen Endgeräten und Fernsehen in Österreich im Jahr 2016, zitiert nach de.statista.com. Online unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/742422/umfrage/second-screen-nutzung-von-tv-und-internetfaehigen-endgeraeten-in-oesterreich/ (14.11.2017).

Nielsen (2016): Die Mischung macht’s! Wie Österreicher Streaming und Video-on-Demand nutzen. Online unter http://www.nielsen.com/at/de/press-room/2016/Its-the-mix-how-to-use-Austrians-streaming-and-video-on-demand.html (23.11.2016).

ORF (o.J. a): Anteil der Haushalte mit TV-Geräten in Österreich von 2010 bis 2016, zitiert nach de.statista.com. Online unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/674874/umfrage/haushalte-mit-tv-geraeten-in-oesterreich/ (14.11.2017).

ORF (o.J. b): Durchschnittliche tägliche Fernsehdauer* in Österreich von 2006 bis 2016 (in Minuten),  zitiert nach de.statista.com. Online unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/303740/umfrage/tv-nutzungszeit-in-oesterreich/ (14.11.2017).

Uni Salzburg (o.J.): Nutzung des Fernsehens als Nachrichtenquelle in Österreich nach Altersgruppen im Jahr 2016 und 2017, zitiert nach de.statista.com. Online unter  https://de.statista.com/statistik/daten/studie/608071/umfrage/fernsehen-als-nachrichtenquelle-in-oesterreich-nach-altersgruppen/ (14.11.2017).

 

Bildnachweis:

Beitragsbild: Pixabay, Free-Photos. Online unter https://pixabay.com/de/alte-tv-aufzeichnungen-vhs-kassetten-1149416/

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