& MoreJulia StallingerPrintRadioTV/Fernsehen

Die Digitalisierung der Arbeitswelt

posted by Julia Stallinger 26. April 2018
Binärcode

Wurde das Thema Digitalisierung und dessen Auswirkungen auf die Arbeitswelt lange kaum beachtet, hört und liest man inzwischen immer öfter darüber – und heizt die Diskussionen über unsere gesellschaftliche Zukunftsfähigkeit immer wieder neu an. Dabei gehen die Szenarien weit auseinander. Von einem Verlust beinahe aller Jobs wie wir sie heute kennen bis zu einem Boom an neuen Jobs. Doch welche Fakten kennen wir bereits und was bedeuten diese für unsere Gesellschaft und insbesondere für die Medienbranche?

Digitalisierung & Arbeit – Was wir wissen

Glaubt man Studien wie die der internationalen Unternehmensberatung Boston Consulting Group werden 40 Prozent der heutigen Jobs mittelfristig durch Automatisierung bzw. künstliche Intelligenz ersetzt (vgl. Rentmeister et al. 2017: 2). Konkret bedeutet das, dass bereits bis zum Jahr 2025 ca. 7,7 Millionen Beschäftigte in Deutschland von diesem Prozess betroffen sind (vgl. ebd.). Weitgehend einig sind sich Experten bei der Tatsache, dass die menschliche Arbeit zum größten Teil aus dem Produktionssektor verschwinden wird (vgl. Binswanger 2018: o.S.). Damit trifft die Digitalisierung die Fertigung am stärksten, wo ExpertInnen davon ausgehen, dass bereits 2025 jede dritte Stelle automatisiert sein wird (vgl. Rentmeister et al. 2017: 3).

Zunächst ist man davon ausgegangen, dass es die Gruppe der Geringqualifizierten und Hilfsarbeiter am stärksten treffen wird. Neuere Studien wie die der BCG zeigen jedoch ein anderes Bild. Demnach sind etwa 62 Prozent der Betroffenen Fachkräfte, vor allem Menschen mit mittleren Qualifikationen betroffen sein (vgl. Binswanger 2018: o.S.). Hoch qualifizierte Menschen wie etwa Spezialisten und Experten sind erwartungsgemäß am wenigsten von der Automatisierungs- und Digitalisierungswelle betroffen: lediglich 14 Prozent werden von dieser Entwicklung betroffen sein (vgl. Rentmeister et al. 2017: 5).

Zukunftsfit?

Bei diesen enormen Zahlen wundert es kaum, dass es ohne Weiterbildungsmaßnahmen und Anschlussbeschäftigung für die Betroffenen nicht gut aussieht. Damit sind auch die enormen Auswirkungen auf die Sozialsysteme nicht verwunderlich. Rechnet man alleine mit Grundversorgung auf Hartz-4-Niveau betragen die Versorgungskosten für die 7,7 Millionen betroffenen Arbeitnehmer mehr als 70 Milliarden Euro pro Jahr allein in Deutschland (vgl. ebd.: 4). Auch die staatlichen Einnahmen durch die Steuern und Abgaben auf Arbeit würden jährlich enorm sinken und stellen die Gesellschaft vor einem dringenden Handlungsbedarf. Staat, Unternehmen und auch Betroffene selbst müssen anfangen, sich und die Gesellschaft zukunftsfit zu machen und die Kompetenzen an die neuen Anforderungen anzupassen. Konkret geht es vor allem darum, häufigere, lebensbegleitende Weiterbildung zu etablieren, da durch die Halbwertszeit von Kompetenzen durch die enorm schnelle Digitalisierung ständig abnimmt. Es gilt: nur wer am Ball bleibt und mithalten kann, wird in Zukunft noch Chancen haben (vgl. ebd.:6).

Viele der benötigten Kompetenzen lassen sich jedoch bis jetzt noch kaum abschätzen. Was jedoch fest steht, ist dass starres Fachwissen immer mehr an Wichtigkeit verliert, der Arbeitnehmer von morgen muss über methodisches und überfachliches Wissen verfügen und flexibel agieren können (vgl. ebd.). Eine Tatsache, auf der vor allem unser Schul- und Bildungssystem noch kaum vorbereitet ist und dringend einer Überholung bedarf.

Bedeutung für die Medienbranche

Auch die Medienbranche ist einer der Bereiche, die von der Digitalisierung besonders stark betroffen ist. Die Arbeit von Journalisten und anderen Medienmitarbeitern verändert sich, die Konkurrenz aus der IT-Brache und dem Internet wird immer größer. Im Vergleich zur Gesamtwirtschaft (52 Prozent) ist die Vergrößerung des Wettbewerbs im der Medienbranche besonders hoch (62 Prozent) (vgl. Bitkom 2016: o.S.). Durch den stärkeren Wettbewerb an vor allem gratis Onlineinhalten müssen sich klassische werbefinanzierte Medien vor allem auch mit der Finanzierungsfrage auseinandersetzen. Somit steigt auch der wirtschaftliche Druck stärker als in anderen Branchen. Bezahlmodelle für journalistische Inhalte im Internet gibt es bereits, jedoch konnten sie sich noch nicht vollständig etablieren. Allerdings zeigt sich: die Bereitschaft, für qualitativ hochwertigen Content zu bezahlen, steigt (vgl. ebd.).

Neben den klassischen Einnahmequellen von digitaler Werbung und digitalen Verkaufserlösen kommen durch die Digitalisierung aber auch neue Formen der Finanzierung ins Spiel, wie etwa Crowdfunding. Klassische Medien müssen erst lernen, wie sie mit den Entwicklungen umgehen können und die Verwandlung zu einem Multichannel-Medienunternehmen schaffen können. Zwar stellt die Digitalisierung die Branche vor großen Herausforderungen, aber dahinter verbergen sich auch enorme Chancen für die Unternehmen, die sich ihnen stellen.


Quellenangaben:

Binswanger, Mathias (2018): Ein neuer Blick auf Arbeit und Leben. In: Salzburger Nachrichten vom 19.03.2018.

Bitkom Research (2016): Digitalisierung der Medien. Online unter https://www.bitkom.org/Presse/Anhaenge-an-PIs/2016/Juni/Bitkom-Charts-PK-Digitalisierung-der-Medien-22-06-2016-final.pdf (25.04.2018).

Rentmeister, Heinrich/Jentzsch, Andreas/Bauer, Patrick/de Almeida, Tim Arnold/Bayaz, Danyal (2017): Schöne neue Arbeitswelt 4.0? Was wir tun müssen, damit uns die Arbeit nicht ausgeht. Online unter http://image-src.bcg.com/Images/27Nov_Report_Arbeitswelt4.0_tcm108-178261_tcm108-179180.pdf (25.04.2018).

Bildrechte:
Beitragsbild: Pixapay, Kaufdex. Online unter https://pixabay.com/de/binär-datenverarbeitung-1381337/

Das könnte Sie auch interessieren:

Hinterlassen Sie uns einen Kommentar

37 + = 47

Diese Website nutzt Cookies um das Nutzerverhalten zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen