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Hörfunk und der Wandel der Zeit

posted by Francesca Del Grosso 18. März 2018
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Radiomachen hat sich verändert. Sender erleben die digitale Transformation auf die harte Weise. Sie müssen ihre Hörer über verschiedene Kanäle und verstärkt über Online Kanäle erreichen. Doch wohin mit dem klassischen Radio?

 

Die analogen Zeiten – Rückblick in die Anfänge

Die Zeiten des Radios (= Hörfunk) haben bereits in den 20er Jahren begonnen. Anfänglich mit nur sehr wenigen Hörern, durch ein erweitertes Angebot stieg bald die Hörerzahl. Radioprogramme in Österreich und Deutschland wurden vom Staat bestimmt, um kommerzielle und militärische Nachrichten zu senden. Aus diesem Grund war der Besitz eines Radios nur mit Genehmigung erlaubt und der Mittelwellenbereich streng eingegrenzt (vgl. Gorse/Schneider 2017; vgl. ORF 2014).

Nach Kriegsende, in den 50er Jahren, erlebte das Radio einen Umbruch ins freie Rundfunkprogramm. Die ersten UKW-Sender für internationalen Radioempfang wurden verkauft. Bald entwickelte sich das Radio zu einem Massenmedium. Die Hörer kamen in den Genuss vom Unterhaltungsmedium Radio (vgl. Gorse/Schneider 2017; vgl. ORF 2014).

Neben Musik wurden Märchenerzählungen vorgetragen und Nachrichten, sowie Wettervorhersagen verbreitet. Zu den großen Radiosendern kristallisierten sich immer mehr lokale Privatsender heraus, welche regionale Programme anboten (vgl. Gorse/Schneider 2017; vgl. ORF 2014).

Diese individuellen, regionalen Radioprogramme gibt es nach wie vor. Und werden durch das Angebot im Internet weiter personalisiert.

 

Internetangebote ergänzen das Radioangebot

Die Nutzungsgewohnheit verändert sich und das mediale Wettbewerbsumfeld in Zeiten der digitalen Transformation steigt. Radiosender sind nicht mehr nur analog und zur allgemeinen Unterhaltung da. Sie müssen nun gegen Spotify, Amazon und Co. ankämpfen und für jeden Hörertypen das passende Angebot liefern. Zusätzlich sprießen Podcasts aus dem Boden und überschatten ebenfalls den Radiomarkt.

Eine Befragung aus dem Jahr 2017 zum Nutzungsverhalten von Radio- und Musikformaten über das Internet hat ergeben, dass Live-Radiostreaming sehr weit vorne ist. 51 Prozent der Befragten hören mehrmals im Monat diese Form des Radios. Musik Playlists und Musik-Streaming einzelner Songs, wie von Spotify angeboten, liegen knapp darüber. Hierüber konsumieren 56 Prozent und 63 Prozent der Befragten im Monat ihre Musik. Podcasts liegen im Vergleich schlechter. Die Befragten gaben zu 37 Prozent an, diese Programme zu hören. Weit abgeschlagen liegt das Streaming von Hörbüchern. Nur 20 Prozent gaben an diese über das Internet zu hören (vgl. BLM/BVDW/VPRT 2017, zitiert nach Statista).

Nutzungsverhalten von Internetangeboten des Radios

Quelle: BLM/BVDW/VPRT 2017, zitiert nach Statista.

Aus dieser Befragung geht klar hervor, dass Angebote von Anbietern wie Spotify oder Amazon Music sehr beliebt sind und, dass Live-Radiostreaming nicht unterschätzt werden darf. Diese Tatsache spricht wiederum für das Weiterbestehen des Radios als solches. Radiosender müssen diesen Trend erkennen und den analogen Kanal um Online Radiostreaming erweitern.

Aus meiner Sicht ist einer der Aspekte, weshalb Spotify und Co. solchen Erfolg haben, dass Konsumenten selbst das Programm bestimmen können. Jeder kennt diese Momente, in denen der Radiosender gewechselt wird, weil zum Xten mal dasselbe Lied läuft. Und siehe da, auf dem anderen Sender läuft das Lied nur wenigen Minuten später auch.

Im Jahr 2016 wurde eine Statistik veröffentlicht, welche Musiktitel in Österreich am häufigsten im Radio gespielt wurden. Knapp 15.000 mal wurden die meistgespielten Songs im Radio ausgestrahlt (vgl. IFPI 2017, zitiert nach Statista). Kein Wunder also, dass Radiohörer irgendwann anfangen Alternativen zu suchen, um abwechslungsreiche Musik zu hören.

 

Wohin mit dem klassischen Radio?

Das Internetangebot darf nicht belächelt werden. Es ist eine echte Alternative zum analogen Radio. Eine Befragung in Österreich betreffend der meistgehörten Radiosendern zeigt jedoch auch, welche Bedeutung das Radio an sich immer noch hat.

Ö3 als beliebtester Sender wird von über 60 Prozent der Befragten über ein normales Radio empfangen, lediglich 18 Prozent hören diesen Sender online. Für Krone Hit, ORF und Antenne Radio sehen die Zahlen ähnlich aus. Einen Trend zur Ablöse des klassischen Radios über Internetangebote ist in diesem Fall nicht zu sehen (vgl. MMA 2015, zitiert nach Statista).

Beliebteste Radiosender in ÖsterreichQuelle: MMA 2015, zitiert nach Statista.

Dies zeigt auch eine andere Befragung aus Deutschland zum Konsum von Radio über ausgewählte Medien und Geräte. Über 70 Prozent der Befragten gaben an über das Autoradio Radio zu hören. Eine echte Chance für Radiosender. Zuhörer müssen entsprechend auf dem Weg zur Arbeit oder auf Reisen mit einem ansprechenden Programm unterhalten werden. Gefolgt von 50 Prozent Zuhörern über ein normales UKW Radiogerät. Dieses läuft vermutlich daheim in der Küche oder während der Arbeit. Beides sind Angebote, die sehr unkompliziert zu konsumieren sind. Es wird kein zusätzliches Gerät gebraucht und es muss nicht ständig ein neues Lied gesucht werden.

Welche Medien werden beim Radiokonsum verwendetQuelle: Mpfs 2017, zitiert nach Statista.

Um nochmals auf die Entwicklung des Radios hinzuleiten. Das Radio war schon immer für Nachrichten, Wettervorhersagen und Musik bekannt. Die Moderatoren führen mit Charme und Witz durch den Tag und machen das Radio so zum Unterhaltungsmedium. Ob sich dies so schnell durch das erweiterte Internetangebot ändert, wage ich zu bezweifeln. Es wird sicherlich ein Multi-Channel Angebot seitens der Sender geben müssen, um möglichst viele Zielgruppen ansprechen zu können.


Quellenangaben:

BLM/BVDW/VPRT (2017): Wie häufig nutzen Sie die folgenden Radio- oder Musikformate über das Internet?, zitiert nach Statista. Online unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/636767/umfrage/nutzungshaeufigkeit-von-radio-und-musikformaten-im-internet-in-deutschland/ (06.03.2018).

Gorse, Christiane/Schneider, Daniel (2017): Geschichte des Radios. Online unter https://www.planet-wissen.de/kultur/medien/geschichte_des_radios/index.html (10.03.2018).

IFPI (2017): Die zehn meistgespielten Titel im Radio in Österreich nach Tagesreichweite und Anzahl der Einsätze im Jahr 2016, zitiert nach Statista. Online unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/564782/umfrage/meistgespielte-titel-im-radio-in-oesterreich-nach-tagesreichweite-und-einsatzzahl/ (09.03.2018).

MMA (2015): Nutzung von Radiosendern in Österreich nach Formaten im Jahr 2015, zitiert nach Statista. Online unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/314775/umfrage/nutzung-von-radiosendern-in-oesterreich-nach-formaten/ (06.03.2018).

Mpfs (2017): Welche Medien und Geräte hast du in den letzten 14 Tagen zum Radio hören genutzt?, zitiert nach Statista. Online unter https://de.statista.com/statistik/daten/studie/29249/umfrage/durch-jugendliche-genutze-medien-zum-radiohoeren/ (06.03.2018).

ORF (2014): Lust aufs Leben: 90 Jahre Radio in Österreich. Online unter ooe.orf.at/radio/stories/2632402/ (10.03.2018).

 

Bildrechte:
Beitragsbild: Pixapay, LubosHouska. Online unter https://pixabay.com/de/retro-radio-alt-tasse-historische-1216719/

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