Mensch Maschine Interaktion

Mythen über Kinder und Smartphones

Smartphones machen „Süchtig“

Die Landesmedienanstalt NRW gab vor einiger Zeit eine Studie in Auftrag um diese These zu untermauern. Natürlich finden sich zahlreiche „Experten“ die aus einer regelmäßigen Nutzung und der Verlagerten Aufmerksamkeit eine Sucht ableiten. Dennoch besteht in der Wissenschaftsszene kein Konsens. Apple selbst führte eine ähnliche Studie durch und zeigte auf, dass Technologien wie das Smartphone positive Effekte auf das Lernverhalten und die kognitive Entwicklung von Kindern haben kann. Die Frage ist natürlich wie wird das Kind an die Technologie herangeführt und wie wird es gefördert.

Es steht außer Frage, dass in kaum einem Beruf heutzutage noch ohne Computerkenntnisse gearbeitet werden kann. Je früher wir also lernen mit diesen Technologien umzugehen, desto tiefer können wir in die Materie einsteigen. Wer allerdings nicht gefördert wird, bleibt zu meist an der Oberfläche und konsumiert anstatt kreativ zu werden und etwas zu erschaffen.

Ein Unverständnis zwischen den Generationen, wie es das schon immer gegeben hat, liegt sicher auch hier vor. Ältere Generationen sehen in den Devices nur Zeitverschwendung, sie möchten dass die Kinder oder Enkel die selben Werte schätzen und die selben Erfahrungen machen wie sie einst, auch wenn sich die Welt in der Zwischenzeit rasant verändert hat.

Es ist, so meine Meinung, eine Frage der Balance.

Aber sind wir „süchtig“ nach Sport wenn wir 3x die Woche bis zur Erschöpfung unserer körperlichen Ertüchtigung nachgehen? Sind wir „süchtig“ nach Liebe weil wir permanent auf der Suche nach einem Lebenspartner sind? Sind wir „süchtig“ nach Geld wenn wir versuchen im Laufe unserer Karriere immer mehr zu verdienen? Sicher nicht. Meistens wird etwas als „Sucht“ bezeichnet weil der Gegenüber davon ausgeht dass eine intensive Beschäftigung zu Defiziten in vermeintlich wichtigeren Bereichen führt. Die Frage ist also nicht ob süchtig oder nicht sondern viel mehr ob wertig oder nicht.

 

 

Technologien machen Kinder aggressiv

Immer wieder geraten Eltern mit ihren Kindern in Konflikte. Ein sehr beliebtes Beispiel ist der Wunsch der Eltern, dass das Kind sein Online Game beendet um zum Beispiel zum gemeinsamen Abendessen der Familie zu erscheinen. Der meist letzte Ausweg der Eltern: Stecker ziehen, Internet aus.

Das führt natürlich zu heftigen Reaktionen der Kinder und Jugendlichen.
Doch haben diese Eltern die Situation richtig eingeschätzt? Haben sie den Wert und die Gewichtung auch aus den Augen des Kindes betrachtet?
Hier lässt sich die Situation vielleicht am besten mit einem Vergleich erklären.

Stellen Sie sich vor Ihr Kind spielt gerade in einem Fussballturnier. Es steht 1:1 Ihr Kind spielt im Sturm und bekommt einen „Elfmeter“. In diesem Moment nehmen Sie das Kind vom Platz, denn die Familie möchte essen. Welche Reaktion erwarten sie von Ihrem Kind? Wird es nicht wütend reagieren? Wird es seinem Unmut denn keine Luft machen wollen? So ziemlich jeder Vater und jede Mutter kann nachvollziehen dass das Kind in dieser Situation nicht gerade erfreut wäre und diese Eltern würden sogar soweit gehen das Essen hinten an zu stellen. Beim Online Gaming ist es aber nicht anders. Viele Spiele erfordern ein Zusammenspiel mehrerer Spieler, genau wie in einer Fußballmannschaft. Fällt ein Spieler aus, macht das für alle beteiligten Spieler das weitere Spiel zu Nichte. Auch hier liegt die Wurzel des Konflikts am Ende in einer unterschiedlichen Gewichtung und Wertigkeitsvorstellung.

 

Kinder stumpfen gegen Gewalt ab

 

Es scheint das Bild vorzuherrschen, dass das virtuelle erschießen von virtuellen Personen einen ähnlichen emotionalen Effekt haben sollte wie das reelle erschießen von realen Personen. Wieso aber sollte ein Jugendlicher nicht zwischen real und virtuell unterscheiden können? Die Nachrichten sind voll von grausamen und realen Taten, Soldaten werden für Ihren Einsatz, der nicht selten mit dem Töten einhergeht sogar ausgezeichnet. Während das virtuelle Spiel verteufelt wird. Hier herrscht eine völlige Verzerrung vor. Würden alle Kriege mit einem Online Ego Shooter durchgeführt werden wäre das ein großer Gewinn für die Menschheit.

 

 

Quelle

 

Dpa, 01.10.2015,http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/familie/studie-ueber-die-folgen-von-smartphones-fuer-kinder-13833385.html [Stand 01.05.2018]

 

Ego-Shooter sind besser als ihr Ruf, http://www.wn.de/Freizeit/Ratgeber/Digitales/2013/02/1108672-Multimedia-Ego-Shooter-sind-besser-als-ihr-Ruf [Stand 01.05.2018]

 

 

WELT.de, https://www.welt.de/vermischtes/article174096366/Studie-100-000-Jugendliche-sind-suechtig-nach-Social-Media.html , Andreas Ebel [Stand 01.05.2018]

 

 

Bildquelle

https://unsplash.com [Stand 25.05.2018]

 



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