Die digitale Identität des Kunden 4.0

 

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Ein Merkmal der Generation Z ist, dass sie von Geburt an eine digitale Identität besitzt. Bereits die Ultraschallbilder werden im Internet stolz von den Eltern hochgeladen und geteilt. Im Laufe der Zeit wächst die digitale Identität mit dem Heranwachsen des Kindes parallel zur realen Identität.

 

Inhalte:

            1. Definition der digitalen Identität

            2. Unterschiede zwischen digitaler und realer Identität

            3. Wie beeinflußt die digitale Identität das reale Leben?

            4. Neues Identitätsmanagement

            5. Fazit

 

Definition der digitalen Identität

Die Identität jedes Menschens ist einzigartig, ihm werden unverwechselbare Eigenschaften zugeschrieben. Bei realen Identitäten sind dies Merkmale wie Name, Adresse, Gesichtsbild, Fingerabdruck usw.. Mit amtlichen Dokumenten, die mit Sicherheitstechniken geschützt und fälschungssicher gemacht sind, ist die Identität eindeutig nachzuweisen.

Auch wenn Menschen sich in der digitalen Welt bewegen, haben sie einzigartige Attribute und bauen somit eine digitale Identität auf.

Die digitale Identität ist allerdings dynamisch und prozesshaft. Sie ergibt sich aus vielen digitalen Spuren, die wir hinterlassen wie Kommunikation im Internet, Ortsangaben, Warenkörbe mit unseren Produktpräferenzen, usw. … [1]

User können sich auf verschiedene Arten identifizieren wie zum Beispiel mit Username und Kennwort. Zwar steht hinter dieser Identifikation immer eine Person, jedoch ist die Identifizierung mit der realen Person für andere nicht immer möglich, da auch Nicknames und Psydonyme verwendet werden. [2]

 

 

Die digitale Identität wird teils selbstbestimmt aufgebaut, wie durch aktives Posten in sozialen Medien oder durch Veröffentlichen der Lebensläufe in Business Netzwerken, wie LinkedIn oder Xing. Zum Teil werden Daten allerdings auch versteckt gesammelt durch das Akzeptieren von Cookies oder durch Veröffentlichungen Dritter.

 

Unterschiede zwischen digitaler und realer Identität

Während der realen Identität meist regionale Grenzen gesetzt sind, ist die digitale Identität weltweit verfügbar. Zugleich werden die Daten in großer Geschwindigkeit verbreitet. Auch wenn versucht wird ungewünschte Meldungen zu löschen, ist dies oft nicht mehr möglich, da die Daten schon vielfach kopiert und an anderen Orten veröffentlicht wurden. [3]

 

Wie beeinflußt die digitale Identität das reale Leben?

Die digitale Identität steht in Wechselwirkung zur realen Persönlichkeit. So kann eine geschickte Selbstdarstellung auf Berufsnetzwerken zum Beispiel dazu führen viele Jobangebote zu bekommen. Sarah Mönkeberg, Gesellschaftswissenschafterin an der Universität Kassel, untersucht in ihren Studien, welche Auswirkungen die Selbstdarstellung im Netz auf die eigene Identität hat. Sie betont, dass das Internet kein klassisches Massenmedium ist, das auf Einweg-Kommunikation aufgebaut ist, sondern ein System, welches auf Nutzerpartizipation basiert. Beim Posten von Information oder auch schon beim Beitritt in Gruppen und Foren bekommen User wertvolles Feedback von anderen. So können neue Persönlichkeitselemente ausgetestet werden und bestehende Meinungsbilder aufgebrochen werden. [4]

Allerdings gibt es auch viele Negativbeispiele. Der Journalist und Autor Sascha Lobo berichtet in vielen seiner Essays vom Phänomen des Netzhasses, welches sich oft mit dem Handeln anderen User potenziert und in richtigen Shitstorm Attacken endet. „Digitaler Hass ist anders. Der Hassende muss dem Gehassten nicht von Angesicht zu Angesicht begegnen. Das führt zu entfesselten Kommentaren und Tränen vor dem Monitor. Wir brauchen eine digitale Herzensbildung.“ [5]

 

Neues Identitätsmanagement

Der Internetsoziologe Dr. Stephan Humer betont, dass die digitale Welt nicht mehr abgeschlossen in Computerkästen gefangen ist, die digitale Welt ist Teil der realen Welt geworden und die Grenzen sind fließend.  Ein Rückzug aus der digitalen Welt ist mit einem Rückzug aus der Gesellschaft gleich zu setzen. Mit seinem holistischen Ansatz betont er, dass das digitale Leben ein fixer Bestandteil unseres Seins geworden ist. Es ist sich also nicht mehr die Frage zu stellen ob man in der digitalen Welt agiert, sondern wie man sein digitales Selbst optimal managt. Wir müssen bewußt ein neues Identitätsmanagement lernen, genauso wie wir die Regeln unserer Gesellschaft gelernt haben. Grundvoraussetzung ist dabei Wissen und Verständnis, nur wenn digitale Prozesse transparent sind, können wir unsere digitale Identität optimal managen. [6]

 

Fazit

Die Digitalisierung ist eine nicht aufzuhaltende Revolution, auch für unser eigenes Selbst. Drastische Maßnahmen, wie die EU Datenschutzgrundverordnung 2018, machen deutlich, dass es einheitliche Regelungen geben muss, um die digitale Identität sowie personenbezogene Daten zu schützen. Das Internet darf kein wilder Westen des Datenaustausches sein, sondern es braucht Spielregeln und klare Transparenz digitaler Prozesse, damit das Individuum sich orientieren kann. Ein neues Identitätsmanagement muss gelernt werden, denn die Regeln der digitalen Welt werden immer mehr zu Grundregeln unserer Gesellschaft.    

 

 

Quellenangeben:

 

vgl. Lüber Klaus, Göthe Institut (2017): Digitale Identität – Revolution für das Selbst?

https://www.goethe.de/de/kul/med/20640532.html [22.7.2018]

 

vgl. Hansen Marit: Digitale Identitäten – Überblick und Trends

https://www.researchgate.net/publication/239603483_Digitale_Identitaten_-_Uberblick_und_aktuelle_Trends?enrichId=rgreq-c79258a4fb37255da89f14bb290d5ce8-XXX&enrichSource=Y292ZXJQYWdlOzIzOTYwMzQ4MztBUzo5NzU2MDgxNTQ3MjY0NEAxNDAwMjcxNzE5MTgz&el=1_x_3&_esc=publicationCoverPdf [22.7.2018]

 

vgl. mbi blog (2009): WEB 2.0 SURF CAMP: DIGITALE IDENTITÄT

http://www.buzinkay.net/blog-de/2009/04/web-20-surf-camp-digitale-identitat/ [22.7.2018]

 

vgl. Mönkeberg Sarah (2013): Das Web als Spiegel und Bühne: Selbstdarstellung im Internet

http://www.bpb.de/apuz/157546/das-web-als-spiegel-und-buehne-selbstdarstellung-im-internet?p=1 [22.7.2018]

 

Lobo Sascha (2012): Netzhass ist gratis

https://saschalobo.com/2012/12/04/netzhass-ist-gratis/ [23.7.2018]

 

vgl. Dr. Humer Stephan (2008): Digitale Identitäten – Der Kern digitalen Handelns im Spannungsfeld von Imagination und Realität, Winnenden: CSW Verlag

 

Titelbild: ar130405 (2017)

https://pixabay.com/de/finger-fingerabdruck-sicherheit-2081169/ [24.7.2018]

 

Bild 1: Wikimedia commons (2011): Pearl Jam, Who You Are (Logo).png

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pearl_Jam,_Who_You_Are_(Logo).png [24.7.2018]

 

Bild 2: FirmBee (2014)

https://pixabay.com/de/notebook-schreibtisch-arbeit-b%C3%BCro-614213/ [24.7.2018]

 

 

 

 

Online Marketing begeistert mich seit vielen Jahren. Multimedia Websites erzählen Geschichten und spielen mit Emotionen, wobei immer der User im Mittelpunkt steht. Zielgruppen lassen sich nicht mehr demographisch einteilen, sondern der User will als das gesehen werden was er ist – als Individuum, einzigartig und besonders.

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