Wie Google dich mit künstlicher Intelligenz immer besser versteht

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Das oberste Ziel von Google, hinsichtlich der Nutzung seiner Suche, ist es, den Nutzer*innen das für sie relevanteste Ergebnis in der Suchergebnisseite (SERP, search engine result page) an prominenter Stelle zu präsentieren.

Um dies zu gewährleisten nutzt der Google Algorithmus mehr als 200 verschiedene Signale, eine komplexe Infrastruktur und fortlaufende Updates. 
Mit besonderer Intensität setzt Google Technologien der künstlichen Intelligenz ein, die komplexes Sprachverständnis ermöglichen. In den letzten fünf Jahren haben zwei KI-basierte Algorithmen die Qualität der Suchergebnisse sprunghaft erhöht. (2)

RankBrain - lernt eigenständig und optimiert sich selbst

In RankBrain sind Milliarden historische Suchanfragen eingespeist. Im Fall von neuen Suchphrasen erkennt das System Bedeutungsähnlichkeiten bereits erfasster Wörter und errät darüber die Bedeutung der unbekannten Sucheingaben. Für diesen Prozess nutzt es Machine Learning, um Informationen in mathematische Entitäten (Vektoren) umzuwandeln. Dadurch wird es möglich, Informationen zu vergleichen, Muster zu erkennen und neue Verbindungen zu schaffen. Auf Grundlage dieser Daten werden dem Nutzer schließlich die relevanten Suchergebnisse angezeigt.

Weiters greift RankBrain auf den Hummingbird-Algorithmus zurück, der 2013 von Google ausgerollt wurde. Dieser achtet beim Abgleich von Suchanfrage und Webdokument weniger auf einzelne Keywords, sondern mehr darauf, ob das Dokument die Frage hinter einer Suchwort-Kombination beantwortet. Man könnte auch sagen, dass die Suchmaschine die Intention, die hinter einer Suchanfrage steckt, deuten kann.

 

Im Gegensatz zu den bisherigen Updates, die durch Menschen entwickelt wurden, lernt das RankBrain System eigenständig und folgt nicht starren Vorgaben menschlicher Programmierer. Gleichzeitig lernt die Maschine auch für künftige Anfragen. (4)

BERT entschlüsselt den Kontext komplexer Anfragen

Trotz dieser herausragenden Entwicklungen versteht Google manche Suchanfragen noch immer nicht richtig. Insbesondere im Fall von komplexen Fragestellungen oder Konversationsabfragen. In der Annahme, dass Google die Anfrage so besser
versteht, geben viele Nutzer*innen eher Stichwörter oder Wortketten ein, z. B. „Frühlingsblumen wann pflanzen“, anstatt den Satz natürlich zu formulieren, z. B. „wann pflanze ich am besten Frühlingsblumen“.

 

Mit dem BERT-Update, das Google seit 2019 ausrollt, wird sich das ändern. (BERT steht für Bidirectional Encoder Representations from Transformers.) (5)

Laut Google zielt diese Optimierung darauf ab, das Sprachverständnis zu verbessern, vor allem bei natürlicheren Sprach- und Konversationsabfragen. Durch BERT ist der Suchalgorithmus in der Lage, die Nuancen und den Kontext der Wörter in der Suchanfrage besser zu verstehen. Dies wird durch Rechenmodelle namens Transformers ermöglicht. Diese setzen ein Wort in Beziehung zu allen anderen Wörtern in einem Satz und beurteilen nicht nur die Bedeutung einzelner Wörter. Das Verständnis von Präpositionen sowie die Position einzelner Wörter innerhalb einer Suchanfrage hat sich dadurch deutlich gesteigert.

 

  • Die Suchanfrage „2019 brazil traveler to usa need a visa“ zeigt die Herausforderung, die Präpositionen im richtigen Kontext zu verstehen. In der Anfrage geht es um einen Brasilianer, der in die USA einreist, nicht um einen Amerikaner, der nach Brasilien reist. In dem Zusammenhang ist das Wort „to“ und seine Beziehung zu den anderen Wörtern wesentlich, um die korrekte Bedeutung des Satzes zu erfassen.

Bislang hat der Algorithmus die Bedeutung dieser Präposition nicht verstanden, und stattdessen Ergebnisse über US-Bürger, die nach Brasilien reisen, ausgegeben. Mit BERT wird die wahre Bedeutung der Anfrage erkannt und ein relevanteres Ergebnis geliefert.

  • Mit der Anfrage „Can you get medicine for someone pharmacy“ möchte ein Nutzer wissen, ob er für jemand anders Medikamente besorgen kann. Die Bedeutung des Satzteiles „for someone“ wird mit BERT korrekt verstanden. (6)

BERT wurde im Oktober 2019 vorab nur auf google.com aktiviert. Seit Anfang Dezember 2019 wird der Algorithmus nun weltweit für mehr als 70 Sprachen, darunter auch Deutsch, ausgerollt. (7)

 

Wohin wird sich die KI-gestützte Suche entwickeln?

Stark im Wachstum begriffen sind Sprachsuchen, die schon einen deutlichen Teil der Suchen auf Smartphones ausmachen. Es wurde zwar noch kein 50 %-Anteil an Sprachsuchen erreicht, wie schon 2018 proklamiert, aber die Tendenz dahin ist unbestritten.

Eine Alternative zur Texteingabe ist die visuelle Suche, die zwar technisch noch nicht so ausgereift wie die Sprachsuche ist, aber auch intensiv weiterentwickelt wird. Mit Google Lens kann via der Kamerafunktion Text übersetzt, Restaurantmenüs durchsucht oder Objekte in der realen Welt gefunden werden. (8)

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Quellen

(1) Kunz, Christian (2019): Google liefert offizielle Zahlen zum täglichen Suchevolumen, URL: https://www.seosuedwest.de/5431-google-liefert-offizielle-zahlen-zum-taeglichen-suchevolumen.html [18.02.2020

(2) rytewiki: RankBrain, URL: https://de.ryte.com/wiki/RankBrain [18.02.2020]

(3) searchmetrics: RankBrain, URL: https://www.searchmetrics.com/de/glossar/rankbrain/ [18.02.2020]

(4) Demchyk, Alona (2017): Künstliche Intelligenz im Einsatz oder: Was ist RankBrain?
URL: https://www.luna-park.de/blog/28557-rankbrain/ [18.02.2020]

(5) Heller, Dan (2019): Das „wichtigste Google Update seit fünf Jahren“ | E-Commerce kompakt #44, URL: https://business.trustedshops.de/blog/e-commerce-kompakt-2019-44 [20.02.2020]

(6) Nayak, Pandu (2019): Suchen besser verstehen als je zuvor,
URL: https://blog.google/products/search/search-language-understanding-bert/ [19.02.2020]

(7) Grundmann, Jan (2019): Google BERT Update: Alle Infos & Analysen,
URL: https://blog.searchmetrics.com/de/google-bert-update/ [22.02.2020]

(8) Sterling, Greg (2019): Die Zukunft der Suche beginnt mit einem ‚V‘
URL: https://searchengineland.com/the-future-of-search-begins-with-a-v-323630 [22.02.20

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