Neue Arbeitswelt durch KI – Krise oder Chance?

In den letzten Jahren sind KI-Systeme deutlich leistungsfähiger geworden. Sie sind zum Teil auch als Internet-Service in der Cloud verfügbar und so einfacher zugänglich. Außerdem sind die Kosten für Datenspeicherung und Rechenleistung gesunken. (1)
Diese Faktoren tragen unaufhaltsam zur fortschreitenden Technologisierung und Digitalisierung in Österreichs Unternehmen und somit der Arbeitswelt bei.

Es werden sich Jobs ändern, Jobs wegfallen und neue Jobs entstehen.

sagt Sepp Hochreiter, Professor an der  Johannes Kepler Universität in Linz, Leiter des AI Lab und Pionier auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz.

Er prognostiziert Veränderungen in Arbeitsbereichen, die durch KI leicht zu automatisieren sind. Besonders sich wiederholende, regelbasierte Abläufe werden zukünftig durch KI-basierte Programme abgedeckt werden. Diese Änderungen habe es, seiner Meinung nach, aber immer schon gegeben. „Man denke nur an den Landwirt, der früher 20 Mitarbeiter hatte. Dann kamen Traktoren und Maschinen. Heutzutage hat der Landwirt ein bis zwei Mitarbeiter.“, so der Experte. (2)

KI in österreichischen Betrieben

In Österreich wird KI bereits auf vielfältige Art und Weise eingesetzt. Nachfolgend einige Beispiele der Anwendungen: 

  • Suche in radiologischen Bilddatenbanken
  • Automatische Erkennung von Haut- und Netzhauterkrankungen
  • Medienmonitoring durch automatische Spracherkennung
  • Automatisches Zusammenfassen von Dokumenten und Nachrichtentexten
  • Selbstlernende Software für Buchhaltung und Rechnungsmanagement
  • Automatische Auditsysteme zur Verbesserung der Compliance
  • Intelligente Verkaufsplattformen für den Vertrieb
  • Expertensysteme für automationsunterstützten telefonischen Kundenservice
  • Intelligenter, automatischer Lehrer für fremde Sprachen
  • Automatische Übersetzung
  • Intelligente Stundenplanung, Logistikplanung & -optimierung,
  • Elektronische Passkontrolle
  • Betrugserkennung
  • Automatische Musikklassifikation und Musikempfehlung
  • Roboter für die textile Gestaltung (3)

Fürchten nun viele durch Roboter oder Programme ersetzt zu werden und ihren Job zu verlieren?

Gemäß einer Studie „Future of Work“ von Ricoh, die 3000 Arbeitnehmer*innen in Europa befragt hat, glauben 54 % der Befragten, dass Arbeitgeber KI nutzen werden, um die Erfahrung am Arbeitsplatz zu verbessern. Rund 28 % der Beschäftigten machen sich Sorgen, dass sie durch Technologien wie KI und Robotik ersetzt werden.

KI-Technologie bewirkt, dass zeitintensive administrative Aufgaben von Maschinen erledigt werden und Arbeitnehmer*innen für strategisch relevante und wertschöpfende Aufgaben freigespielt werden können.

David Mills, CEO von Ricoh Europe, erklärt dazu: „Die Zusammenarbeit mit Maschinen ermöglicht den Beschäftigten nicht nur, sich auf befriedigendere Aufgaben zu konzentrieren, sondern verändert auch die Art und Weise, wie miteinander gearbeitet wird. Wenn die Beschäftigten mit dem Wissen und den Fähigkeiten ausgestattet sind, die sie benötigen, um in der zukünftigen Arbeitswelt geschickt vorzugehen, werden sie nicht nur produktiver sein, sondern auch kreativer.“ (4)

Welche Berufsbilder werden sich durch den Einsatz von KI verändern?

Experten sind sich einig: KI wird große Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft haben. Verschiedene Berufe werden sich radikal verändern oder sogar überflüssig werden.

KI kann die Informationsgewinnung automatisieren und helfen Entscheidungen vorzubereiten oder sogar automatisch zu treffen. Dies betrifft Terminvereinbarungen, Buchhaltung, Planungsaufgaben, Kontrollen, Schadensfälle, Telefonservices, Lektorat, usw.

Das bedeutet, dass sich das Tätigkeitsprofil vieler Arbeitsplätze in der Administration, Buchhaltung, Versicherung, öffentlichen Verwaltung, etc. deutlich ändern wird.

Das Institut für Höhere Studien (IHS, 2017) prognostiziert eine Automatisierung von 9 % der Arbeitsplätze in Österreich und damit die Gefährdung von ca. 360.000 Arbeitsplätzen. Wobei die Automatisierung nicht nur niedrigqualifizierte oder einfache manuelle Tätigkeiten betrifft, sondern nun auch Aufgaben, die ein höheres Qualifikationsniveau voraussetzen. (5)

Auf der anderen Seite gibt es auch viele Chancen für die Entwicklung neuer Dienstleistungen und neuer Arbeitsfelder auf Basis von KI.

Eine Studie des Capgemini Digital Transformation Instituts unter etwa 1000 Konzernen weltweit kommt zu einem ermutigenden Ergebnis. 83 % der teilnehmenden Unternehmen bestätigten, dass Künstliche Intelligenz neue Jobs im Unternehmen geschaffen hätte. Darüber hinaus steigerten drei Viertel der Unternehmen ihren Absatz um zehn Prozent, unmittelbar nach der Einführung intelligenter Systeme. (6)

Das deckt sich mit dem Bericht des World Economic Forums (2018). In diesem erwarten die Unternehmen einen hohen Zuwachs von neuen Aufgaben und Arbeitsfeldern infolge der Digitalisierung. Diese setzen freilich eine gute Ausbildung und Qualifikationen wie analytische Fähigkeiten, Abstraktions-, Planungs- und Urteilsvermögen, Orientierungs- und Problemlösungsfähigkeiten, kreative Intelligenz und soziale Fähigkeiten voraus. (7)

Qualifizierung und Ausbildung - ein Leben lang

Die neuen Technologien durchdringen alle Arbeitsbereiche, daher sind in Zukunft Grundfertigkeiten im Umgang mit digitalen Technologien, Robotik und KI wichtig, um mit den steigenden Anforderungen Schritt zu halten.

Der CEO des Headhunting-Startups JobRocker, Günther Strenn, warnt: „Gerade diejenigen, die nicht bereit sind, sich zu ändern, werden verlieren und auf der Strecke bleiben. Da die technischen Fortschritte immer schneller und größer werden, sind lebenslanges Lernen und ständige Weiterbildung nicht nur notwendig, sondern unbedingt erforderlich. Es gibt keine Garantie mehr, bis zur Pension im selben Job zu sein.“ (2)

Das World Economic Forum sieht für Österreich einen Umschulungsbedarf bei rund 50 % der Beschäftigten innerhalb der nächsten Jahre. (8)

Vor allem Fähigkeiten wie emotionale Intelligenz, innovatives Denken und kritische Reflexion werden immer wichtiger. (9)

Könnte sich mein Job durch digitale Technologien verändern?

Das deutsche IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung) hat den „Job Futuromat“ entwickelt. Mit diesem Tool kann man herausfinden, welche Tätigkeiten durch den Einsatz digitaler Technologien automatisiert werden könnten.

https://job-futuromat.iab.de/

Quellen:

(1) Wiesmüller, Michael; Hegny, Ingo (2018): AIM AT 2030 Artificial Intelligence Mission Austria 2030 Die Zukunft der Künstlichen Intelligenz in Österreich gestalten, Wien: Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, S. 4

(2) Momcilo, Nikolic (2019): Neue Arbeitswelten durch KI: Wie sich Arbeit in den nächsten Jahren verändert, URL: https://www.derbrutkasten.com/ki-wie-sich-arbeit-veraendert/  [10.05.2020]

(3) Wiesmüller, Michael; Hegny, Ingo (2018): AIM AT 2030 Artificial Intelligence Mission Austria 2030 Die Zukunft der Künstlichen Intelligenz in Österreich gestalten, Wien: Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, S. 9

(4) Ricoh Schweiz AG (2020): KI bereichert das Arbeitsleben, doch mit welcher Strategie? URL: https://www.computerworld.ch/business/ricoh/ki-bereichert-arbeitsleben-strategie-2501639.html  [09.05.2020]

(5) Glück, Paul (2017): Digitalisierung gefährdet weit weniger Jobs als befürchtet, URL:  https://www.ihs.ac.at/fileadmin/public/BR_Files/user_upload/20170412_PK_Digitalisierung.pdf  [09.05.2020]

(6) Capgemini (2017): Turning AI into concrete value: the successful implementer’s toolkit, URL: https://www.capgemini.com/de-de/wp-content/uploads/sites/5/2017/09/dti-ai-report_final1-3.pdf?ref=articletext  [08.05.2020]

(7) Österreichischer Rat für Robotik und Künstliche Intelligenz (2018): Die Zukunft Österreichs mit Robotik und Künstlicher Intelligenz positiv gestalten, URL: https://www.acrai.at/wp-content/uploads/2020/03/ACRAI_White_Paper_DE.pdf, S. 41   [09.05.2020]

(8) Österreichischer Rat für Robotik und Künstliche Intelligenz (2018): Die Zukunft Österreichs mit Robotik und Künstlicher Intelligenz positiv gestalten, URL: https://www.acrai.at/wp-content/uploads/2020/03/ACRAI_White_Paper_DE.pdf, S. 42  [09.05.2020]

(9) Accenture (2019): Mission mit Vision, Wie Österreich seine Zukunft mit künstlicher Intelligenz gestaltet, URL: https://www.accenture.com/_acnmedia/pdf-99/accenture-mission-mit-vision.pdf  [07.05.2020]

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