Übersetzungstools: das Ende der Fremdsprachen?

 In Im Alltag

Analoge Wörterbücher – manchmal sind sie noch in staubigen Bücherregalen und Klassenzimmern zu finden. Am modernen Arbeitsplatz oder zu Hause schlägt aber kaum noch jemand ein Wort nach. Wer Geschriebenes oder Gesprochenes in eine fremde Sprache übersetzen will, greift heute auf digitale Wörterbücher oder Übersetzungstools zurück. Mithilfe von Google Translator oder DeepL lassen sich Texte aus aller Welt mit nur wenigen Klicks und ohne merkliche Wartezeit in eine andere Sprache übersetzen. Sprachbarrieren sollen im Alltag somit überwunden werden.

Übersetzungstools im Überblick

Es wird prognostiziert, dass die Zahl der sogenannten Wearables (Überbegriff für am Körper tragbare Elektronik wie Smartwatches und Fitnessarmbänder) bis 2021 weltweit 929 Millionen erreichen wird. Im direkten Vergleich zum Jahr 2016, ist das ein Anstieg von über 185 %. Viele Wearables entwickeln sich mit der Zeit weiter. Tragbare Übersetzer, die man immer bei sich hat, wurden entwickelt. (vgl. Napel 2018)

Fujitsu: der kompakte Dolmetscher für die Westentasche

Im September 2017 gab der japanische Technologiekonzern Fujitsu bekannt, dass sie ein freihändig tragbares Übersetzungsgerät mit Freisprecheinrichtung entwickelt haben. Das kompakte Gerät kann wie ein Namensschild am Körper getragen werden. Es soll vor allem in Umgebungen eingesetzt werden, in denen Smartphones oder Tablets aus hygienischen Gründen nicht verwendet werden können, wie beispielsweise im Krankenhaus. Auch weil Ärzte und Pflegepersonal alle Hände voll zu tun haben, hat man sich auf ein freihändiges System fokussiert. Fujitsu verwendet eine Übersetzungstechnologie, die Stimmen und Standorte von Personen erkennt und automatisch auf die richtige Sprache umschaltet. Dazu  – um die Hygienestandards einhalten zu können – muss das Gerät nicht mit der Hand berührt werden. Der Akku soll einen normalen Arbeitstag durchhalten. Per Blootooth ist das Tool mit dem Internet verbunden, wobei die eigentliche Übersetzung in der Cloud stattfindet. (vgl. Netzwelt 2017)

Der Übersetzer verwendet hochempfindliche Mikrofone im Miniaturformat um die Stimmen den richtigen Personen zuordnen zu können. Störgeräusche in der Umgebung, wie etwa Klimaanlagen und Untersuchungsgeräte, werden unterdrückt. In der Klinikumgebung, mit einem üblichen Geräuschpegel, soll das System eine Spracherkennungsrate von 95 Prozent erreichen. (vgl. Digital Engineering Magazin 2017)

Pilot: Übersetzung mittels Ohrstöpsel

Die Ohrstöpsel des New Yorker Start-ups Waverly Labs übersetzen ebenso in Echtzeit. Finanziert wurde die Entwicklung über die Crowdfunding-Plattform Indiegogo mit insgesamt 4,4 Million US-Dollar.  Die Übersetzungshörer mit dem Namen Pilot funktionieren nur über die Installation einer App. Begegnen sich also zwei Gesprächspartner – zum Beispiel eine englisch- und eine deutschsprachige Person – müssen beide je einen Stöpsel im Ohr tragen und auf ihren Smartphones die App geöffnet haben. Unpraktisch für eine spontane Begegnung. Testberichten zu folge, weist die Qualität der Übersetzung einige Schwächen auf. So übersetzte das Gerät beispielsweise die Aussage „Am Wochenende werde ich mit Freunden grillen“ mit „Weekend, Amanda?“.  Ein flüssiges Gespräch, so liest man weiter, kommt kaum zustande, da die Übersetzung stark verzögert stattfindet. (vgl. Schnor 2018)

Google Translator: der bekannteste Übersetzer

Der Google Übersetzer zählt zu den beliebtesten und meistgenutzen Übersetzungstools.  Ob stationär am PC und Laptop oder unterwegs per Smartphone oder Smartwatch, der digitale Dolmetscher übersetzt Wörter, Textpassagen oder ganze Webseiten. Eine Konversation in Echtzeit ist allerdings mit diesem System nicht möglich. Der Fokus liegt auf dem geschriebenen Wort. Es gibt natürlich die Möglichkeit, sich den Text vorlesen zu lassen um ein Gefühl für die Aussprache zu bekommen. Die Übersetzung erfolgt in wenige Sekunden und liefert, laut Testbericht von Netzwelt, qualitativ hochwertige Ergebnisse. Auch Redewendungen schafft der Dolmetscher von Google. Einen echten Mehrwert bietet der Translator also beim Verfassen oder Lesen von Emails, beim Erstellen oder Erfassen von Papers oder Präsentationen, genauso wie bei Webseiten.  Die Nutzung ist gänzlich kostenlosen und eine Registrierung via Google-Konto ist nicht nötig.  (vgl. Ballein 2017)

DeepL: macht Google Konkurrenz

Der Name der Web-App DeepL leitet sich von dem Begriff Deep Learning-Technologie ab. Laut dem Hersteller soll der digitale Übersetzer besser funktionieren als Google Translate. Bei DeepL lassen sich Texte und Dokumente mit bis zu 5.000 Zeichen kostenlos in verschiedene Sprachen übersetzen. Chip.de hat das Übersetzungstool getestet und schreibt, es sei präziser als seine Mitbewerber. Ein großes Argument für DeepL ist, es kann Zusammenhänge erkennen. Lange und komplexe Sätze sind somit kein Problem. Laut Hersteller lässt sich diese Aussage auch in Zahlen messen: DeepL übersetzt demnach 75 Prozent aller Sätze korrekt, Google hingegen nur rund 25 Prozent. (vgl. Chip.de 2018)

Die Nutzung von DeepL ist kostenfrei und steht jedem mit Webbrowser am PC, Smartphone oder Tablet zur Verfügung. Eine App für iOS, Android und Co. steht bis dato noch nicht zur Verfügung. Ähnlich wie der Google Translator bietet DeepL ebenso wenig eine Simultanübersetzung für eine Konversation. Auch hier beschränkt sich der Leistungsumfang auf geschriebene Texte mit Vorlese-Funktion.

Fazit

Ja die letzten Tage des Wörterbuchs scheinen gezählt. Übersetzungstools erfreuen sich weltweit großer Beliebtheit und die Nachfrage wird in den nächsten Jahren ansteigen. Durch die schnelle und einfache Bedienung der Tools, ist man – je nach Sprachniveau – oftmals schneller wenn man den Text einem digitalen Übersetzer gibt, als sich selbst mit einer französischen Email abzuquälen. Da heutzutage ein Großteil der Kommunikation über Emails und Nachrichten stattfindet, kann man, mit  praktisch gar keinen Sprachkenntnissen, anspruchsvolle Texte in einer fremden Sprache verfassen. Dieser Aspekt fördert nicht gerade die Motivation eine Sprache zu lernen. Uns könnte eine ähnliche Entwicklung wie beim Kopfrechnen bevorstehen. Sobald es jungen Schülern erlaubt ist, mit dem Taschenrechner zu rechnen, hören sie auf im Kopf zu rechen. Wird es Übersetzungshilfen künftig auch in Schulen geben? Ist die Anwendung wichtiger als das Können? Wir werden sehen. In Punkto Gesundheitsweisen, ist es jedenfalls ein riesen Fortschritt, wenn sich Patient und Arzt, ganz gleich welcher Herkunft, in Echtzeit verständigen können.

Quellenverzeichnis

Napel ten, M. (2018): „Will wearable translator technology replace the need to learn langueges?“ URL: https://fashnerd.com/2018/04/wearable-translator-technology-replace-the-need-to-learn-languages/ [Stand 08.02.2019]

Netzwelt (2017): „Fujitsu für anklippbaren Sprachübersetzer ausgezeichnet.“ URL: https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/netzwelt/article169300179/Fujitsu-fuer-anklippbaren-Sprachuebersetzer-ausgezeichnet.html  [Stand 08.02.2019]

Digital Engineering Magazin (2017): „Fujitsu stellt Dolmetscher für die Westentasche vor.“ URL: https://www.digital-engineering-magazin.de/fujitsu-stellt-dolmetscher-fuer-die-westentasche-vor  [Stand 08.02.2019]

Schnor, P. (2018): „Was kann der Übersetzungskopfhörer Pilot wirklich?“ URL: https://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article176326143/Test-Was-kann-der-Uebersetzungskopfhoerer-Pilot-wirklich.html [Stand 08.02.2019]

Ballein, M. (2017): „Google Übersetzer im Test – das kann der Dolmetscher für PC und Smartphone.“ URL: https://www.netzwelt.de/google-uebersetzer/testbericht.html [Stand 08.02.2019]

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