Digitale Sprachassistenten und die DSGVO – wie passt das zusammen?

 In Die Technologie

 

Seit Mai 2018 gilt die neue Datenschutzgrundverordnung. Als Unternehmer aber auch als Privatperson sollten Sie in vielerlei Hinsicht aufpassen. Was hat sich zu den bisherigen Regelungen  verändert und wie beeinflusst die Verordnung den Markt im Bereich digitaler Sprachassistenten?

Die bekanntesten digitalen Sprachassistenten

Es gibt unzählige verschiedene Anbieter für den Bereich Smart Home auf dem Markt, die sich immer weiter entwickeln und sich in Ihren Funktionen immer mehr ähneln. Dazu gehört einerseits Google Home zur effektiven Haussteuerung per Sprachbefehl und auf der anderen Seite Amazons Alexa. Diese ist schon länger auf dem Markt erhältlich und befindet sich mittlerweile in ihrer dritten Generation. Auch Apple und Windows dürfen in einer derartigen Auflistung nicht fehlen. Ihre Sprachassistenten Siri und Cortana haben ebenfalls zunehmend mehr Relevanz auf dem Markt erhalten.

Durch modulpezifische Zukäufe externer Produkte, wollen Hersteller dafür sorgen, dass sich immer mehr ihrem Angebot anpassen. So können die großen Unternehmen selbst die Richtung angeben und entscheiden, welche neuen Technologien zu welchem Zeitpunkt auf den Markt kommen. Die größte Gemeinsamkeit aller Anbieter, ist die ständige Arbeit mit Daten.

Aus diesem Grund haben viele Menschen Bedenken, wenn es um die Datensicherheit geht. Zu groß ist die Angst, dass Daten nicht sicher verwaltet werden und das Hacker-Angriffe stattfinden könnten. Neben dem Aspekt des Datenmissbrauchs, ist auch die Angst vor Überwachung und Abhörung ein Grund. Für ein Drittel der potenziellen Kunden ist das ein Hauptkriterium für die Entscheidung gegen einen eigenen Sprachassistenten. Aber lassen sich diese Zweifel nicht mit der neuen EU-DSGVO ausräumen?

Die rechtlichen Veränderungen durch die EU-DSGVO

Durch die neue Datenschutzgrundverordnung sind Unternehmen dazu verpflichtet, die Verbraucherrechte bezüglich des Datenschutzes genauer umzusetzen als zuvor. Für Nutzer gibt es zahlreiche neue Rechte, durch die sie Einblick in die zu ihnen erhobenen Daten- und sogar deren Löschung verlangen können. Sowohl für große Unternehmen im Bereich der Sprachassistenz, als auch für Sie gilt, dass Sie viel Wert auf eine gründliche Speicherung und Verwaltung Ihrer Kundendaten legen sollten. Zudem gibt die EU-DSGVO vor, möglichst wenig kundenspezifische Daten zu erheben, um den entsprechenden Verwaltungsaufwand zu verringern. Was darüber hinaus geht, muss mit dem Kunden schriftlich vereinbart werden. Achtung: Die Einverständniserklärung des Kunden ist nur dann rechtskräftig, wenn sie nicht an Bedingungen geknüpft ist. (vgl. Wirtschaftskammer Vorarlberg 2018)

Welche Daten sammeln Sprachassistenten?

Jedes Sprachassistenzsystem nimmt bestimmte Nutzerdaten auf und erstellt damit exakte Kundenprofile. Am Beispiel von Alexa wird das Gerät durch den Signalruf „Alexa“ aktiviert und zeichnet ab diesem Punkt alle Informationen Ihrer Sprachsuche auf. Dabei unterscheidet man zwischen zwei Arten von Daten. Zum einen werden die Informationen gesammelt, die Sie Ihrem Sprachassistenten selbst mitteilen,  wie beispielsweise Gespräche, Internetsuchen, Käufe und Tagesabläufe. Zum anderen werden Daten verarbeitet, die Sie im Vorhinein selbst angegeben haben. Bei der Erstellung Ihres Kontos sind dies beispielsweise Ihr Name, die Adresse und Ihre Bankverbindung. Aber auch nicht angegebene Daten wie Ihre IP-Adresse verzeichnet das System. Die aufgenommenen Daten werden im Anschluss zur Speicherung und Analyse an die Server weitergeleitet. Dies erfolgt binnen weniger Sekunden, sodass die Reaktion am Gerät in Form des ausgeführten Befehls zu erkennen ist. Die Daten bleiben allerdings auch nach Befehlsausführung, und sogar wenn Sie nicht mehr Kunde sind, im System von Amazon gespeichert. (vgl. annalsleben.de 2018)

Sind Sprachassistenten datenschutzkonform?

Grundsätzlich organisieren die Nutzungsbestimmungen der zahlreichen Anbieter nur ungefähr, welche Daten aufgenommen werden und wofür sie Verwendung finden. Die Datenschutzgrundverordnung gibt allerdings ganz klar an, dass diese Angaben jederzeit logisch nachvollziehbar und einfach auffindbar sein müssen. Festzustellen ist, dass die Nutzungsbedingungen der Sprachassistenzsysteme meist so ausgeklügelt sind, dass sie juristisch kaum eine Angriffsfläche bieten. Für selbst eingegebene Daten übernehmen Hersteller generell keine Verantwortung, da der Nutzer diese auf freiwilliger Basis selbst im System eingegeben hat.

In der Praxis zeigt sich auch, dass das Erstellen von Nutzerprofilen mit der EU-DSGVO nicht umgangen werden kann, da die Kunden durch die Nutzung der Plattformen meist selbst der Datenverwendung zustimmen. Die notwendigen Angaben sind dabei meist in den Datenbestimmungen, bestehend aus mehreren Hundert Seiten, versteckt, die sich nur die wenigsten Kunden wirklich durchlesen. Viele offizielle Kanäle warnen deshalb vor der nicht immer gut umgesetzten Datensicherheit bei Sprachassistenten. Sie fordern die aufgenommenen Daten nach kurzer Zeit zu überschreiben. Das würde zeigen, dass Unternehmen die Datensicherheit ihrer Kunden ernst nehmen, ohne zusätzlichen bürokratischen Aufwand zu haben. Reagiert haben die großen Unternehmen auf derartige Forderungen bisher nicht; sie sind eben rechtlich nicht dazu verpflichtet. (vgl. Kammerer 2018)

Was verändert sich für Werbetreibende?

Auch wenn sich für die Hersteller smarter Produkte, durch die selbst geschaffene Rechtssicherheit, vorerst nicht viel verändert, sollten Sie diesbezüglich vorsichtig sein. Als kleineres Unternehmen oder Privatperson sind Sie rechtlich häufig nicht so sicher wie Ihre größeren Marktbegleiter, weshalb die EU-DSGVO für Sie unumgänglich ist. Aus diesem Grund kommen Sie an einer besseren Verwaltung Ihrer Kundendaten nicht vorbei und dürfen diese nicht ohne die schriftliche Bestätigung erheben. Auch das Löschen einzelner Daten kann dabei gefordert werden. Wenn Sie Ihre Kunden aber im Vorhinein ausführlich informieren, wird es dazu  vermutlich nicht kommen müssen. Eine Alternative bietet der datenrechtliche Umstieg, bei dem Sie die Aufnahme kundenspezifischer Daten vermeiden und diese nur allgemeingültig verwalten. Wenn Sie hierbei auf konkrete Nutzerprofile verzichten, müssen Sie sich um die DSGVO nicht sorgen und können weiterhin Ihren Marketingstrategien nachkommen. (vgl. Wirtschaftskammer Vorarlberg 2018)

Fazit

Umso mehr Daten von digitalen Sprachassistenten aufgenommen werden, desto fließender werden die Grenzen zwischen realen und digitalen Räumen. Aus diesem Grund sollten Sie sowohl als Kunde, als auch in Ihrer Funktion als Marketer darauf achten, welche Daten Sie mit Ihren Sprachassistenten teilen. Für die Datensicherheit ist es besser, auf weitere Angaben zu verzichten und die Ausarbeitung Ihres privaten Nutzerprofils zu unterbinden. Machen Sie Gebrauch von Ihrem Recht und fordern die Freilegung der zu Ihnen erhobenen Datensätze. Aus Unternehmersicht können Sie nur hoffen, dass Ihre Kunden Ihnen diese zusätzliche Arbeit ersparen und mit Ihren geschäftlichen Datenerhebungen einverstanden sind. Fairness ist dabei ein guter Ansatz, durch Sie Vertrauen schaffen. Umso genauer Sie Ihre Kunden im Vorhinein über Ihre Rechte und Pflichten informieren, desto eher werden sie mit Ihren Bedingungen einverstanden sein. Sorgen Sie deshalb dafür, dass Sie für Ihre Kunden ein transparenter Ansprechpartner sind und trotz der EU-DSGVO ihren unternehmerischen Prinzipien treu bleiben.

Weiterführende Links

Alexa! Was ist eigentlich Smart Home?

 

Quellenverzeichnis

Herold P. (2018): „Alexa, Cortana, Siri und Co – Was Sie über Datenschutz und Privatsphäre wissen müssen“. URL: https://www.mein-datenschutzbeauftragter.de/blog/20180106-alexa-cortana-siri-und-co-was-sie-ueber-datenschutz-und-privatsphaere-wissen-muessen/ [Stand: 09.12.2018]

Autoren der Wirtschaftskammer Vorarlberg (2018): „Bedeutet die DSGVO das Aus für Alexa, Siri und Co?“ URL: https://www.digitale-perspektiven.at/allgemein/bedeutet-die-dsgvo-das-aus-fuer-alexa-siri-und-co[Stand: 09.12.2018]

Kammerer S. (2018): „Was die EU-DSVGO fürSmart Home bedeutet“. URL: https://www.homeandsmart.de/dsgvo-datenschutzgrundverordnung-smart-home[Stand: 09.12.2018]

Autoren von annasleben.de (2018): „Welche Daten sammeln Sprachassistenten?“. URL: https://www.annasleben.de/snippet/welche-daten-sammeln-sprachassistenten/[Stand: 09.12.2018]

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