Ist Facebook Panne Datenklau?

Facebook Panne

Wenn Facebook seinen Gründer für tot erklärt, dann ist das allemal eine Pressemeldung wert. Wenn davon auch noch 2 Millionen Nutzerprofile betroffen sind, dann entschuldigt sich Facebook für den Fehler. Einen kritischen Hintergrundbericht oder eine Erklärung zu den Gründen dieser Facebook Panne fanden wir jedoch nicht im Netz. Auch nicht einen Monat später.

Auch Zuckerberg unter den „Toten“

Am 11. November 2016 wurden 2 Millionen Nutzerprofile von Facebook kurzfristig in den Gedenkzustand versetzt. Mit dabei das Profil von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Die Profile zeigten, dass deren Inhaber verstorben sind und man ihrer gedenken soll (Vgl.

Zum Gedenkzustand: Ein solcher Status zeigt, der Profilinhaber ist verstorben. Der Status kann aber nur durch einen Nachlasskontakt, der zu Lebzeiten vom Profilinhaber zu bestimmen ist, erwirkt werden. Genau das war aber am 11. November (kurioserweise zu Faschingsbeginn) nicht passiert. Die Änderung des Profilstatus in den Gedenkzustand erfolgte durch Facebook automatisch und wurde auf 2 Millionen Facebook-Profilen ausgespielt.

Facebook Panne technisches Problem?

Was war also passiert? Laut The Guardian kam es zu einem technischen Fehler bei Facebook selbst (Vgl. Woolf, Solon, 2016). Die britische Zeitung bezog sich dabei auf eine Stellungnahme des weltweit größten sozialen Netzwerkes zu diesem Vorfall. Und sie vermutete, dass bei tatsächlichen Gedenkprofilen der Text hätte geändert werden sollen. Dieser landete aber dann bei 2 Millionen Nutzern, und auch am Profil des Facebook Gründers selbst. Damit wurden die Betroffenen allesamt, Zuckerberg mit eingeschlossen, kurzfristig für tot erklärt.

Facebook bestätigte nicht die Vermutung des Guardian, es handle sich um eine technische Panne. Vielmehr sprach die Firma von einem „schrecklichen Fehler“ gegenüber dem Technikblog „The Verge“, ohne die genauen Hintergründe und Ursachen zu kommentieren (Vgl. Newton, 2016).

Weiters betonte man noch am selben Tag, so „The Verge“, den Fehler jetzt im Griff zu haben und ergänzte:

„everyone has been brought back to life“.

Sie leben also wieder, diese Facebook-Nutzer.

Zynismus versus Datenklau

Die Facebook Community, vor allem viele User in den USA, rettete sich mit Galgenhumor aus der Situation. Screenshots der eigenen, in Gedenkzustand gesetzten Profile, veröffentlichten diese in ihren eigenen Chroniken. Ergänzt von lapidaren Kommentaren wie „wir sind alle tot“ oder „So… yeah. I’m dead. RIP“.

 

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Screenshot von User, dem das Profil auf Gedenkzustand gesetzt wurde. Quelle: Futurezone.

Schnell wurden indirekte Vermutungen zu den Gründen der Facebook Panne kolportiert. So erwähnte Futurezone in ihrem Beitrag, dass Totmeldungen in online-Netzwerken gerne zur Installation von Schadsoftware verwendet werden. Diese installiert sich, wenn der User auf diese Falschmeldungen klickt. Software für den Datenklau?

Solche Zusatzinformationen in einer Pressemeldung öffnen den wildesten Theorien Tür und Tor. Vor allem dann, wenn diese unkommentiert bleiben. Auf diese Vermutungen hinsichtlich der Gedenkzustand-Panne bei Facebook wurde aber im Netz nicht weiter eingegangen.

Ein Forum-User bei heise.de vermutete zwei Tage nach der Facebook Panne einen solchen Datenklau (Vgl. Bager, 2016). Der folgende Screenshot zeigt seine Argumente für diese Annahme.

 

Datenklau Facebook Panne
Screenshot eines Kommentars zum Beitrag über die Facebook Panne. Quelle: Bager, 2016.

Umgang der Medien mit Panne

In die deutsche Medienlandschaft gelangte die Meldung von der Facebook Panne über die deutsche Nachrichten Agentur dpa. Im Grunde übernahmen alle Medien unisono unverändert den dpa-Text. Darunter auch so namhafte Portale wie der Standard, die Zeit, Handelsblatt oder IT-Medien wie heise.de oder Golem.

Alle deutschsprachigen, von uns eingesehenen Medien verarbeiteten die Facebook Panne unkommentiert nach Marke „Copy & Paste“.

Kein Einzelfall

Facebook steht nach wie vor in Sachen Datensicherheit und seiner individuellen Auffassungen in Bezug zu Datenrichtlinien unter Kritik. Beispielsweise wurden Fotos von Usern gelöscht, die den internen Facebook-Kriterien angeblich nicht gerecht werden. Das bekannteste Beispiel ist das historisch bedeutende Foto von Kim Phuc aus dem Vietnam-Krieg.

Mark Zuckerberg
Auch Mark Zuckerberg war von Datenlecks seines Netzwerkes betroffen. Foto: heise.de

Auch gelangten private Fotos von Zuckerberg über dessen Facebookprofil in der Vergangenheit an die Öffentlichkeit. Mark hält auf einem Foto ein Huhn an dessen Beinen (Vgl. Schneider, 2016). Sicher kein Bild, das die Welt hätte sehen wollen.

Missinterpretationen in den internen Kriterien und Datenlecks scheinen bei Facebook kein Einzelfall zu sein. Denn die jüngste Facebook Panne könnte streng genommen ein solches Datenleck und einen Datenklau darstellen.

Es wurden schließlich Daten an 2 Millionen Profile zugewiesen, für die sie nicht vorgesehen waren (Gedenkzustand). Die Frage nach dem Nutzen solcher Zuweisungen darf gestellt werden, zieht man die massiven Sicherheitslücken Facebooks mit in Betracht. Lücken wie Cookies, die sich beim Betrachten von Seiten mit Like-Buttons für 2 Jahre automatisch installieren.

Das Auslesen von Daten mittels Internetdiensten wie Minor Monitor oder Gesichtserkennungssoftware zeigen nur, Facebook kann wohl mehr, als man nach außen hin behauptet. Und vielleicht konnte diese Panne mit dem Gedenkzustand auch mehr? Es gilt die Unschuldsvermutung.

Fazit

Es bleibt ein schaler Beigeschmack, dass zur jüngsten Facebook Panne nichts Kritisches veröffentlicht wurde. Und dass die Medienlandschaft unisono einen dpa-Beitrag unkommentiert übernahm.

Zudem kann Galgenhumor keinesfalls als Antwort auf einen irrtümlich ausgelieferten Gedenkzustand eines Facebookprofils lauten. Schließlich weiß man nicht immer, ist eine Nachricht Fake oder ist sie wahr. Ist der Profilinhaber tatsächlich verstorben, oder lebt er (noch).

 

Quellen:

Bager, Jo: „Facebook erklärt Mark Zuckerberg und andere für tot“, in: heise online, 12. November 2016.  URL: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Panne-Facebook-erklaert-Mark-Zuckerberg-und-andere-fuer-tot-3464512.html [Stand: 4. Dezember 2016]

Futurezone: „Facebook -Fehler erklärte Zuckerberg und Nutzer für tot“, in: Futurezone, 12. November 2016. URL: https://futurezone.at/digital-life/facebook-fehler-erklaerte-zuckerberg-und-nutzer-fuer-tot/230.275.218 [Stand: 4. Dezember 2016]

Handelsblatt: „Facebook erklärt Zuckerberg für tot“, in: Handelsblatt, 12. November 2016. URL: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/panne-facebook-erklaert-zuckerberg-fuer-tot/14834164.html [Stand: 4. Dezember 2016]

Mimikama: „Rolle rückwärts von Facebook (Foto: Napalm-Mädchen von Vietnam)“, in: Mimikama, 12. September 2016.  URL: https://www.mimikama.at/allgemein/facebook-gibt-nach/ [Stand: 4. Dezember 2016]

Newton, Casey: „Facebook is telling everyone that they’re dead“, in: The Verge, 11. November 2016. URL: http://www.theverge.com/2016/11/11/13602824/facebook-just-killed-everyone [Stand: 4. Dezember 2016]

Schneider, Johannes: „Facebook Panne – Einbruch beim Herrn der Daten“, in: Tagesspiegel, 2016. URL: http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/facebook-panne-einbruch-beim-herrn-der-daten/5933520.html [Stand: 4. Dezember 2016]

Steinlechner, Peter: „Facebook erklärt Zuckerberg und andere für tot“, in: Golem, 12. November 2016. URL:  http://www.golem.de/news/fehler-facebook-erklaert-zuckerberg-und-andere-fuer-tot-1611-124424.html [Stand: 4. Dezember 2016]

Wikipedia (2016): „Kritik an Facebook.“ URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Kritik_an_Facebook [Stand: 4. Dezember 2016]

Woolf, Nicky und Solon, Olivia: „Facebook Profile glitch ‚kills‘ millions. Even Mark Zuckerberg“, in: The Guardian, 11. November 2016. URL: https://www.theguardian.com/technology/2016/nov/11/facebook-profile-glitch-deaths-mark-zuckerberg  [Stand: 4. Dezember 2016]

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Angelika entdeckt die Welt mit dem CamperVan und berichtet darüber. Angelika arbeitet als Social Media Marketer bei einem großen Campinganbieter. Hier am Blog kümmert sich Angelika um Plugins, Widgets, Content der Pflichtseiten, das Lektorat, knüpft Kontakte in die Digi-Nachlass-Szene und beobachtet, was Medien zum Thema berichten.

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